Verringerung von Plastikmüll
Die Stadt Niebüll hat aufgrund eines Antrags der SSW Fraktion vom 01.09.2014 und angeregt von den Aktivitäten des Vereins »Küste gegen Plastik« über den Ausschuss Umwelt und Wirtschaft im Jahr 2015 eine permanente Initiative mit dem Ziel gestartet, den Verbrauch von Einweg-Einkaufstüten und Plastikbehältnissen in Niebüll langfristig nennenswert zu reduzieren und eine dauerhafte Informationskampagne zu diesem Thema zu organisieren. Über verschiedene Aktivitäten und begleitet von Öffentlichkeitsarbeit möchte man gemeinsam mit weiteren Partnern auf die Plastikproblematik aufmerksam machen und über umweltverträgliche Alternativen informieren. Thematisch dazu präsentiert das Naturkundemuseum Niebüll im Frühjahr 2015 eine Ausstellung des Project Blue Sea e.V. zum Meeresmüll.
Zunächst hat sich eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der Fraktionen der Stadtvertretung, dem Kinder- und Jugendbeirat, dem Stadtmarketing, dem Kulturbüro sowie dem Handels- und Gewerbeverein Niebüll und dem Naturkundemuseum gebildet und erste Maßnahmen entwickelt.
Maßnahmen der Arbeitsgruppe Plastikmüll
a) Eine Umfrage unter den Mitgliedern des Handels- und Gewerbevereins Niebüll hat ergeben, dass zwar Unternehmen noch Plastiktüten verwenden, sich aber vorstellen könnten, zukünftig darauf zu verzichten und alternativ dazu Baumwolltragetaschen oder etwa Pappboxen zu verwenden. Es gibt in Niebüll aber auch schon eine Anzahl von Betrieben, die beim Verkauf komplett auf Plastiktüten für ihre Kunden verzichten.
b) In einem Schulwettbewerb wurden im Frühjahr 2015 ein Kampagnenlogo- und –slogan gesucht.
„Halb so viel – Doppelt so gut“ – Mit diesem Slogan und einem Logo, das eine große und eine kleine Gelbe Tonne ziert hat Lina Schwobe aus der Klasse 8e der Friedrich Paulsen Schule den Schulwettbewerb der Stadt Niebüll zur Verringerung von Plastikmüll und damit 250 € für die Klassenkasse gewonnen. Entstanden ist der Entwurf im Kunstunterricht von Herrn Niko Bekehermes im Rahmen einer Unterrichtseinheit zum Graphic Design. Auf den zweiten Platz landete die sprechende Papiertüte Pipa „Ich bin GEGEN PLASTIKMÜLL! – und du?“ von Alina Thomsen aus der 10. Klasse der FPS, gleichbedeutend mit einem Preisgeld von 150 € für die Klassenkasse. Alyssia Andrews und Sina von Holdt holten mit ihrem gemeinsamen Entwurf „Wirf die Erde nicht weg!“ den 3. Platz und ein Preisgeld von 100 €, ebenfalls für die Klassenkasse der 8e an der FPS.
Zahnbürstenaktion & Co.
Begonnen haben die Aktivitäten 2016 mit eine großen Zahnbürstenaktion. In Zusammenarbeit mit dem Verein Zahngesundheit Nordfriesland e.V. hat die Stadt Niebüll, jedem Kindergarten- und Grundschulkind in Niebüll in diesem Jahr eine Zahnbürste aus Bambus überreicht, insgesamt ca 800 Zahnbürsten. Ausgewählt wurde dafür eine nachhaltige Kinderzahnbürste der Firma hydrophil aus Hamburg. Sie ist wasserneutral, vegan und fair produziert, mit BPA-freien Borsten aus Nylon 4, das 100 % biologisch abbaubar ist. Von mehreren Zahnärzten der Region wurde auch die Zahnpflegequalität der Zahnbürste bescheinigt.
Die Aktion startete am 04.März 2016 in der Kita Bunte Welt in der Theodor-Storm-Straße. Die Kita wurde, wie viele Einrichtungen auch, in diesem Jahr wieder vom Verein Zahngesundheit Nordfriesland besucht. Von eine Zahnmedizinischen Fachberaterin für Gruppenprophylaxe des Vereins, erhielten die Kinder dann vor Ort nach eine kleinen Piraten-Theaterstück jeweils eine Zahnbürste. Der Verein verteilte zudem Zahnpasta, die natürlich frei von Mikroplastikpartikeln ist und zeigte den Kindern, wie man richtig die Zähne putzt. Das dänische Gesundheitsamt hat diese Aktion auch in den dänischen Kindergarten und die dänische Grundschule in Niebüll getragen.
Es folgten nach den Sommerferien zunächst ein Zero Waste Workshop mit Alternulltiv aus Hamburg in der Evang. Familienbildungsstätte, ein Vortrag von Marie Delaperrière vom Unverpackt Kiel auf der Niebüll Messe sowie ein Vortrag von Frau Prof. Dr. Angela Köhler vom Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven mit dem Titel "Gefährdet Mikroplastik die Gesundheit unserer Meeresorganismen?". Diese Veranstaltung entstand in Kooperation mit der Rotary Club Südtondern.
2022 konnten wir in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Verena Kandler eine einewöchige Müll-zu-Kunst Workshopreihe in Deutschland und Dänemark durchführen.
Die Doppelt-so-gut-Reihe
Die größte Aktion bis dahin galt schließlich dem "Doppelt so guten Adventskalender". In Kooperation mit dem Verein „Küste gegen Plastik e.V.“ entstand der “Doppelt-so-gute-Adventskalender”. Der Kalender beinhaltet 24 bebilderte Tipps und Fakten, die helfen können, Plastikmüll im Vorweihnachts-Alltag und auch zukünftig zu vermeiden. Die Idee zu diesem Kalender kam von Alina Thomsen, Schülerin der 12.Klasse der Friedrich Paulsen Schule, während eines Praktikums beim Stadtmarketing Niebüll im Juli 2016. Sie hat die Texte und den Entwurf entwickelt, die später von Lara Knigge vom Kulturbüro Niebüll ausgearbeitet wurden. Die Fotos steuerte Jennifer Timrott vom Verein Küste gegen Plastik e.V. bei. Finanziell gefördert wurde das Projekt durch die Umweltlotterie BINGO!, die Stadtmarketing Niebüll GmbH und den Verschönerungsverein Niebüll e.V..
Wir wollen mit einem optisch sehr ansprechend gestalteten Kalender und einfach umsetzbaren Vorschlägen für das Thema Verringerung von Plastikmüll sensibilisieren. Und dies gerade in der Zeit vor Weihnachten, wenn viele Produkte eine besonders auffällig gestaltete Verpackung erhalten, die oft noch mehr Müll bedeutet. Der Kalender erschien in einer Auflage von 2.200 Stück und wurde zunächst zur kostenlosen Verteilung bei der Niebüll Messe im Oktober vorgesehen. Nun können sich Interessierte den Kalender im Rathaus der Stadt Niebüll und im Naturkundemuseum gerne abholen. Weil das Projekt so viel positive Resonanz erzeugt hat, beteiligte sich die Stadt Niebüll am 22.11.2016 damit an der Europäischen Woche der Abfallvermeidung, als eines von ca. 500 Projekten in Deutschland.
Dem ersten folgte 2017 ein zweiter Adventskalender. In 2018 entstand daraus ein Jahreskalender für 2019 und ein Jahr später ein Posterkalender für 2020, 2021 das Doppelt-so-gute-Memo-Spiel zu den 17 SDGs, 2022 ein Plastikfrei Bingo, 2024 ein Stadt-Land-Nachhaltigkeits-Spiel und 2025 Doppel-so-gute-Tipps zur Müllvermeidung
CAPonLITTER
Das Interreg-Europe Projekt CAPonLITTER zielt darauf ab, Strategien und Praktiken zur Vermeidung von Meeresmüll aus Küstentourismus und Freizeitaktivitäten auszubauen. In dem Projekt arbeiten Partnerorganisationen aus Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Kroatien, Portugal und Spanien zusammen. Deutscher Projektpartner ist das Umweltbundesamt (UBA). Zwischen 2019 und 2022 fanden in diesem Rahmen interregionale und regionale Treffen der Projektpartner*innen mit Stakeholdern aus Tourismus und kommunaler Verwaltung statt, um Erfahrungen mit Initiativen zur Plastikmüllreduktion auszutauschen.
Ergebnis ist ein Aktionsplan mit geeigneten Maßnahmen, um den Einsatz von Einwegprodukten auf Großveranstaltungen und von Plastik in der kommunalen Beschaffung zu reduzieren. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Förderung und Etablierung von Mehrwegsystemen. Pünktlich zur Europäischen Woche der Abfallvermeidung haben sich mit Niebüll, Wangerland, Helgoland, Rostock und Lübeck fünf Küstenkommunen entschlossen, der Kunststoffverschmutzung von Nord- und Ostsee die Stirn zu bieten. Sie haben den Aktionsplan gezeichnet, setzen die Maßnahmen nun in der zweiten Phase des Projektes bis Mitte 2023 um und werden durch das Umweltbundesamt begleitet. „CAPonLITTER hat maßgeblich geholfen, Gemeinden und andere Akteuren zu venetzen.
Der Erfahrungsaustausch aus erster Hand zu effektiven Maßnahmen hat zu einem gemeinsamen Verständnis der wesentlichen Handlungsfelder und in Folge zur Verabschiedung des Aktionsplans beigetragen. Wir sind sehr froh, die Kommunen als Partner bei diesem aufregenden Vorhaben unterstützen zu dürfen“ sagt Stefanie Werner, wissenschaftliche Mitarbeiterin für Meeressschutz vom Umweltbundesamt. In die Entwicklung des Aktionsplans flossen weiterhin Ergebnisse des nationalen Runden Tisches Meeresmüll ein, den es seit 2016 gibt und der unter anderem rechtliche und praktische Handlungsleitfäden für Kommunen entwickelt und veröffentlicht hat (https://www.muell-im-meer.de/Kommunen-Regelungsmoeglichkeiten).
Dabei verfolgen die Kommunen jeweils individuelle Schwerpunkte. Die Stadt Niebüll engagiert sich seit 2015 unter dem Motto „Halb so viel. Doppelt so gut!“ für die Verringerung und Vermeidung von (Plastik-)Müll. Neben Aktivitäten zur Verbraucherbildung wie der Ausgabe von Bambuszahnbürsten an Kitas oder der Durchführung von Kunstworkshops engagiert sich die Stadt über Kalenderpublikationen zum Thema, Müllsammelaktionen und Social Media Aktivitäten in den verschiedensten Netzwerken, darunter Fairtrade Towns, Nationalparkpartner und Global Nachhaltige Kommunen Schleswig-Holstein. Niebüll hat zudem eine Satzung zur Vermeidung von Verpackungsmüll bei Veranstaltungen verabschiedet und unterstützt derzeit eine Mehrweg-Kampagne in Nordfriesland. Um diese Aktivitäten konsequent weiterzuentwickeln, beteiligt sich Niebüll am Aktionsplan des Projektes CAPonLITTER.
Das Hauptziel besteht in der Vermeidung und Verringerung von Kunststoffabfällen und Meeresmüll durch kommunale Aktivitäten mittels einer ambitionierten Umsetzung der Maßnahme UZ5-08 des deutschen Maßnahmenprogramms der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL, 2008/56/EG), die durch das Wasserhaushaltsgesetz in nationales Recht umgesetzt wird. Dabei werden politische Akteure an der deutschen Nord- und Ostseeküste auf lokal kommunaler und regionaler Ebene ermutigt, konkrete Maßnahmen umzusetzen. Die Reduzierung von Einweg(kunststoff)produkten steht dabei im Vordergrund.
Der Niebüller Mehrwegbecher
Die Stadt Niebüll hat im Oktober 2023 ein eigenes Mehrwegbecher-Pfandsystem umgesetzt. Aus anfänglich 7 teilnehmenden Betrieben mit 9 Ausgabestellen sind bis heute , 10 Betriebe mit 12 Ausgabestellen geworden.
Teilnehmende Betriebe sind:
Kaffeemaus, Burgerwolf, Bäckerei Meier (ehemals Deezbüller Bäcker) (2 Filialen), Niebüller Backstube (2 Filialen), Pack & Schnack, Eiscafé Sprengel, Schlemmerkontor Martensen, Hotel Landhafen, Voss im Bahnhof, Bioladen Feinsinn. Schwierig ist es mit den Niebüller Tankstellen, da diese schon seit längerer Zeit mit Recup einen Anbieter haben.
Mithilfe einer finanziellen Förderung durch den Kreis Nordfriesland konnten 2000 Becher 0,3 Liter sowie dazugehörige Deckel der Firma Cuna angeschafft werden. Diese werden kostenfrei, in Verbindung mit einer Nutzungsvereinbarung, an die Betriebe abgegeben. Becher mit Deckel werden für 2,00 € Pfand abgegeben und können an allen Stellen zurückgegeben werden.
Von den 2000 angeschafften Bechern sind mittlerweile 1645 in Umlauf. Weitere Becher konnten zu verschiedenen Anlässen (Barcamp der Wirtschaftsförderung Nordfriesland, Demo „Nordfriesland ist bunt“, Veranstaltungen des Stadtmarketings) eingesetzt werden.
Verschiedene Werbemaßnahmen am POS, auf angemieteten Werbeflächen, auf den digitalen Infostelen der Stadt und Social Media Beiträge flankieren das Projekt in 2023 und 2024.
Die Entscheidung zugunsten der Becher der Firma Cuna ergab sich daraus, dass diese Becher zu 95 % aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen und nicht wie Becher von Mitbewerbern erdöl-basiert sind.
Das Mehrweg-Projekt reiht sich ein in die langjährigen Aktivitäten der Stadt Niebüll zur Verringerung von Plastikmüll. Die Förderung von Mehrweg war Teil des Aktionsplanes zur Vermeidung und Verringerung von Kunststoffabfällen und Meeresmüll in deutschen Nord- und Ostseegemeinden im Interreg Europe Projekt „CAPonLITTER“ des Umweltbundesamtes.
Die Resonanz zum Niebüller Mehrwegbecher ist, wie zu erwarten war, vielschichtig und reicht von Begeisterung bis Ablehnung.
Scanathon
Mit dem Scanathon ruft das Nachhaltigkeitsforum der Stadt Niebüll seit 2019 dazu auf, sich im Rahmen der Europäischen Woche der Abfallvermeidung im November mit Nutzung der Apps ReplacePlastic und Replace Einweg vom Verein Küste gegen Plastik e.V. für weniger Einweg- und Plastikmüll zugunsten von Mehrweg-Verpackungen einzusetzen.
Mittels der Apps wird der Barcode auf Produktverpackungen gescannt und der Mehrweg-Wunsch oder der Wunsch nach eine Produktverpackung, die nicht aus Plastik ist, abgeschickt. Über die Verein Küste gegen Plastik e.V. werden entsprechende Unternehmen über diesen Verbraucher*innen Wunsch informiert.
Die Initiatoren versprechen sich davon, dass Menschen bei der Nutzung der Apps noch bewusster konsumieren und dies bei einem nachhaltigeren Lebenstil hilft.
Zur Nutzung der App muss man auch nicht unbedingt in den Supermarkt oder Discounter gehen. Wer möchte, schaut zuhause einmal nach, was sich dort für Verbesserungswünsche in den Schränken findet.